Menschenrechtsarbeit stärken – im Krieg und danach!

In Zeiten des russischen Krieges gegen die Ukraine wollen wir zivilgesellschaftliche Akteur:innen, Menschenrechtler:innen und Journalist:innen stärken. Ein Fokus liegt auf der psychosozialen Unterstützung für Frauen, die in Armenien vom Krieg betroffen sind, und für Frauen, die in Russland häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Außerdem engagieren wir uns bei der Integration russischer Exilant:innen in Georgien.

Inmitten der Herausforderungen des russischen Krieges gegen die Ukraine besteht unsere Mission darin, einen Beitrag zur Förderung von Menschenrechten und demokratischen Werten zu leisten.

Frauen sind in diesem Kontext mit spezifischen Folgen konfrontiert. Daher widmet unser Projekt der Unterstützung von Frauen besondere Aufmerksamkeit, die von Kriegserlebnissen und Vertreibung, oder von häuslicher Gewalt betroffen sind. Dies umfasst explizit auch Frauen aus Bergkarabach. Wir haben Sozialarbeiter:innen zum Thema psychologische Erstbetreuung ausgebildet, die psychologische Sitzungen für diese Frauen abhalten.

Das Projekt begann im April mit einem regelmäßigen Online-Austausch von Expert:innen aus Russland, Georgien und Deutschland. Ihr Ziel war die Entwicklung innovativer Methoden zur Förderung von Menschenrechten und demokratischen Werten in der Jugendbildung. Im Mai trafen sich dieselben Expert:innen in Tbilisi, Georgien, um fünf Workshops speziell für russische Jugendliche zu konzipieren.

Im Zuge dieser Aktivitäten entstanden nicht nur neue Workshop-Konzepte, sondern auch eine Plattform für den Austausch von Methoden und Ideen. Die entwickelten Konzepte wurden im Herbst online veröffentlicht und erreichten über 10.000 Interessierte in Russland, Georgien und Armenien.

Das darauf folgende Training in Tbilisi ermöglichte es 21 Multiplikator:innen aus Russland, Georgien und Armenien, die Konzepte zu erproben und Feedback zu geben. Seit dem Herbst werden von den geschulten Multiplikator:innen in Russland und Georgien/Armenien zahlreiche Workshops durchgeführt.

Um die Integration russischer Exilant:innen in Georgien zu fördern, wurden 15 öffentliche Veranstaltungen in Tbilisi durchgeführt. Vertreter:innen aus Regierung und Zivilgesellschaft teilten ihr Wissen über Integrationsprozesse und die Funktionsweise georgischer Institutionen.

Zusätzlich fanden drei runde Tische statt, bei denen sich russische Migrant:innen und Expert:innen aus Deutschland und Georgien über Integration, Menschenrechte und die Auswirkungen des Krieges austauschten. Diese Veranstaltungen dienten der Netzwerkbildung und der Präsentation von im Rahmen des Projekts entwickelten Methoden im Bereich Menschenrechte und Medien.

Im Mai nahmen 26 Journalist:innen und Bloger:innen aus Russland und dem Exil an einem zweitägigen Training in Tbilisi teil. Sie erhielten Einblicke in investigative Berichterstattung, Open-Source Intelligence und ethisches Schreiben.
Im Herbst entwickelte ein russischer Journalist, der derzeit in Georgien tätig ist, einen Leitfaden zur Durchführung von Datenrecherchen, der rund 3.000 Interessierte erreichte.

Im Fokus der psychosozialen Unterstützung stehen Frauen und Familien, die von Kriegsfolgen und häuslicher Gewalt betroffen sind. Hierzu erarbeiteten Expert:innen aus Russland und Armenien einen Ausbildungsplan für Sozialarbeiter:innen mit Methoden der psychosozialen Unterstützung für Frauen in Krisensituationen.

Anschließend erhielten zehn regionale Multiplikator:innen aus Russland und Armenien eine fünftägige Schulung zu psychosozialer Beratung. Diese geschulten Multiplikator:innen leiteten zwischen September und November 50 psychosoziale Workshops in Russland und Armenien.

Durch die gezielte Förderung von Bildung, Integration, Medienkompetenz und psychosozialer Unterstützung hinterlässt das Projekt nicht nur konkrete Ergebnisse, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag zur demokratischen Entwicklung in Zeiten des Krieges und darüber hinaus.

Das Projekt läuft vom 1. Februar bis zum 31. Dezember 2023. Es wird durchgeführt mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts und der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Stimmen aus Georgien, Russland und Armenien über das Projekt 

Unser russischer Partner “Frame” in Georgien: „Im Frame Space in Tbilisi gibt es täglich Veranstaltungen für Aktivist:innen, Journalist:innen und Lehrer:innen, die sich an Migrant:innen richten, von denen es vor allem aus Russland zahlreiche gibt. Die Bandbreite reicht von Briefabenden für politische Gefangene und Coaching-Workshops bis zu Debatten und Diskussionen über Politik, Wirtschaft und das Leben in Georgien. Zusammen mit D4U haben wir das Handbuch “Nie wieder” erstellt, das Schüler:innen und Studierenden dabei hilft, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu verstehen und Antikriegsaktivitäten zu fördern, damit sich solche Ereignisse nicht wiederholen.“ 

Unser Handbuch nimmt darauf Bezug, denn wir wollen, dass Humanismus und kritisches Denken über Kriege siegen. Dafür braucht es eine starke Zivilgesellschaft. Alle Methoden und Inhalte des Handbuchs sind öffentlich zugänglich mit der Intention, dass sie auch in Russland angewendet werden um kritisches Denken zu befördern. Das Handbuch ist auf Russisch hier zugänglich: https://never-again-metodology.tilda.ws

Unsere Kollegin aus Russland: „Das Projekt schafft einen sicheren Raum für Frauen, in dem sie Erfahrungen teilen, Feedback erhalten und Fähigkeiten zur Bewältigung psychischer Probleme entwickeln können. Besonders hilfreich ist es für Frauen, die mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung oder Traumata zu kämpfen haben. Es ermöglicht den Teilnehmerinnen Probleme zu teilen, Feedback zu erhalten und unterstützt so ein tieferes Verständnis und Mitgefühl füreinander. Expert:innen aus Armenien und dem Nordkaukasus erweitern in gemeinsamen Seminaren ihre Methoden und deren Anwendung. Dies macht das Projekt besonders wertvoll.“ 

Tatev Tumsyan, Sozialarbeiterin aus der Schirak-Region in Armenien: „Das Programm ermöglichte uns den Austausch mit Fachleuten anderer Länder über unser Arbeitsfeld, psychologische Unterstützung zu leisten. Wir konnten neue Arbeitsmethoden und Teamtechniken erlernen sowie wichtige Teamsupervision erhalten. Die positive, freundschaftliche Atmosphäre überwand sprachliche, religiöse und kulturelle Unterschiede. Hoffentlich werden solche Programme fortgesetzt.“ 

Shushan Sahakyan aus Dilijan in Armenien: „Das Programm war für unsere Gemeinde enorm relevant, besonders nach der Flucht der gesamten Bevölkerung aus der Region Arzach infolge der erneuten Offensive Aserbaidschans im September. Wir hatten so die Möglichkeit Frauen und Kindern beizustehen, Ängste zu bewältigen, Stress abzubauen und soziale Probleme zu lösen. Wir danken dafür im Namen aller Teilnehmenden.“