Konfliktbewältigung im Erfahrungsaustausch

Junge Menschen aus Deutschland, Georgien, Moldau und der Ukraine

35 junge Menschen aus vier verschiedenen Ländern, vier Koordinator*innen und acht gemeinsame Tage in Tiflis mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für Konflikte zu entwickeln und dabei Georgien zu erkunden. Ein kurzer Rückblick.

Konflikte bewegen uns

Wenn ich mit der 19-jährigen Oleksandra Zinenko aus der Ukraine spreche, wird das Ausmaß des Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine deutlich. Seitdem hat sich für Oleksandra vieles verändert. Sie habe die Bedeutung des Wortes Heimat verloren und sehe sich nun in der Verantwortung, ihre Heimat selbst zu schaffen. Allerdings wisse sie nicht, wo das sein soll. Über diese Themen haben wir viel gesprochen. Auf unserem Seminar in der Landeshauptstadt Georgiens vertieften wir unser Verständnis dafür, wie verschiedene Konflikte uns junge Menschen beeinflussen und wie wir lernen können, sie zu bewältigen.

Die Vielschichtigkeit

Wenn wir über Konflikte sprechen, müssen wir die verschiedenen Formen und Ebenen genauer betrachten. Konflikte können in vielen unterschiedlichen Ausprägungen auftreten, sei es zum Beispiel auf persönlicher oder politischer Ebene. Auch die Art und Weise, wie ein Konflikt ausgetragen wird, variiert in ihrer Unterschiedlichkeit. Ob ein Konflikt auf der Sach-, Beziehungs- oder Machtebene geführt wird, macht einen großen Unterschied. Dennoch vereinen alle Konflikte einen Aspekt, und zwar die Notwendigkeit des Dialogs.

In den acht Tagen wurde uns reichlich Raum gegeben, um über verschiedene Konfliktfacetten und -lösungen zu sprechen. Das Besondere an unserem Seminar: Eine Vorbereitungsgruppe, bestehend aus jungen Menschen aus den vier Ländern, traf sich zuvor in Moldau und entwickelte ein Programm, dass unseren Bedürfnissen entspricht. So haben wir jungen Menschen selbst Programmpunkte übernommen und unser vorhandenes Wissen in verschiedenen Workshops geteilt.

Film, Foto, Freizeit

Die ersten zwei Tage verbrachten wir mit Sightseeing in Tiflis und dem gegenseitigen Kennenlernen. Das war besonders schön, da viele zum ersten Mal in Georgien waren und wir uns eine Menge zu erzählen hatten, da wir ganz unterschiedliche Lebensrealitäten teilen. Mich persönlich hat auch die georgische Küche überzeugt, da sie Grundzutaten wie Walnüsse, Koriander, Knoblauch und Granatapfel umfasst, die ich besonders mag.

Doch das Herzstück bildeten die Gruppenarbeiten. Die Teilnehmenden konnten zwischen drei verschiedenen Gruppen wählen: Blogging, Film und Foto. Die Filmgruppe widmete sich dem Thema Mobbing und drehte einen Kurzfilm. Dabei konnten die Teilnehmenden selbst lernen, wie ein Kurzfilm entsteht und an Bild und Ton arbeiten. Die Fotogruppe war ebenfalls kreativ und lernte die Foto-Basics durch das umfassende Wissen eines Teilnehmenden aus Moldau. Mit Gedichten, Geschichten und Beiträgen für Social Media hat die Blogging Gruppe ihre Arbeiten verschriftlich und es sind Texte auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Georgisch, Kurdisch, Rumänisch und Ukrainisch entstanden.

„Die vielen individuellen und kreativen Meinungen und Herangehensweisen haben mir besonders gefallen und mich inspiriert. Ich habe vieles dazu gelernt und freue mich, mehr zu tun.“

Roman (22) aus Moldau
Ein Ausflug außerhalb von Tiflis

Im Jahr 2008 herrschte der Kaukasuskrieg in den von Russland unterstützenden Gebieten Südossetien und Abchasien auf georgischem Staatsgebiet. Fast 200.000 Menschen waren auf der Flucht und bis heute leben Binnenvertriebene in den damals entstandenen neuen Siedlungen. Eine solche Siedlung haben wir in Tserovani besucht und dabei viel über den Konflikt und das Leben seitdem erfahren. Sowohl dort als auch später während unserer Stadtführung in Gori ist mir die fortbestehende Hoffnung der Binnenvertriebenen aufgefallen. Sie hoffen darauf, eines Tages dauerhaft in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Neue Perspektiven

Die acht Tage waren spannend und haben viele neue Perspektiven gebracht. Ich war das erste Mal in einem osteuropäischen Land und habe gleichzeitig die Gelegenheit erhalten, intensiver mit jungen Menschen aus Moldau, der Ukraine und Georgien in Austausch zu treten. Besonders bedanken möchte mich bei den Teilnehmenden, dem Team, den Organisierenden und Unterstützenden, die diese Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.

Autorin: Elif Bayat, Dezember 2023, Tiflis, Georgien